Making Of: Was kostet eine Selbsthilfegruppe?

spilled coins from the jar

Die kurze Antwort wäre: Zeit und etwas Überwindung, Motivation und Durchhaltevermögen. Daneben gibt es noch das leidige Thema Finanzen – wenn man nicht mit privaten Spenden arbeiten kann / will, gibt es zum Glück oftmals Anspruch auf die Förderung der gesetzlichen Krankenkassen.

Das erste (Kalender-)Jahr – Die Pauschalförderung

Zu Beginn unserer kleinen Truppe von 3 Personen wurde uns durch das Selbsthilfebüro Heilbronn sehr geholfen – auch beim Antrag auf die Pauschalförderung der gesetzlichen Krankenkassen, die 2019 – nach Erinnerung des Autors – bei bis zu 400 Euro lag.

Dieses Geld sollte sinnvoll, zweckgebunden und verantwortungsvoll ausgegeben. Für uns bedeutete das im ersten Jahr: Ein Budget…

  • für die Raummiete, damit wir uns treffen können
  • das Marketing (Flyer, Plakate, Domain & Website) um auf uns aufmerksam zu machen,
  • Kosten, die durch das Bankkonto entstehen,
  • die Kommunikation (Gruppenhandy + E-Mail-Postfach und Prepaid-Karte) und
  • ggf. ein zusätzliches Budget für Materialien, z.B. einen Moderationskoffer oder Recherche- und Fachmaterialien

Wichtig ist hierbei zu wissen: Zwischen Förderantrag und Bewilligung und Überweisung können einige Wochen, gar Monate vergehen. Außerdem benötigt man bspw. erst das Bankkonto, bevor der Förderantrag bewilligt und das Geld erhalten werden kann.

WasAusgaben pro Monat ca.Ausgaben pro Jahr ca.
Raum20240
Flyer und Co.50
Domain, Website und E-Mail560
Telefon & Prepaid-Karte560
Bankkonto und Transaktionsgebühren010
SUMME420
Unsere Ausgaben im ersten Jahr (vereinfacht)

Wie man sieht, kommt man schnell an die Grenze von 400 Euro. Wie haben wir das gelöst? Eher durch Zufall.

Zum einen dadurch, dass wir erst Mitte des Jahres 2019 so wirklich in die Pötte kamen, entfielen ein Teil der monatlichen Ausgaben. in dem o.g. Rechenbeispiel für Domain, Website und E-Mail, für Telefon & Prepaid und für die Raumkosten.

Zum anderen dadurch, dass es bei Domain, Website & Hosting ein Angebot genutzt wurde, das in den ersten Monaten weniger kostete. Wir haben uns gedacht: Auch wir müssen uns erstmal etablieren und wenn die Gruppe wächst, haben wir es auch einfacher zu verargumentieren, warum wir mehr Geld aus der Förderung benötigen und dieses gut investiert ist.

Das 2. Kalenderjahr – Individual-Förderung

Für das 2. Kalenderjahr (2020) war also bereits absehbar, dass wir über die Förderpauschale kommen. Wir haben uns gleich darin geübt, für die Ausgaben entsprechende Nachweise zu führen – denn nach Abschluss des Jahres sind wir oberhalb der Pauschale verpflichtet, nachzuweisen, wofür wir genau Ausgaben innerhalb der Selbsthilfegruppe hatten.

Man darf nicht vergessen: Die Förderung ist dazu da, die Selbsthilfe wortwörtlich zu „begünstigen“. Und es muss in Relation zum Nutzen stehen. Sind wir ehrlich: Die Förderung kann nicht nur als Imagepflege für die Krankenkassen betrachtet werden, sondern auch, Menschen aufzufangen und damit berufsfähig zu halten. Ein Klinikaufenthalt, ein Therapieplatz, lange Krankschreibung oder ähnliche Ausgaben kosten viel mehr und können im Idealfall mit der Selbsthilfe kompensiert oder verringert werden.

WasAusgaben pro Monat ca.Ausgaben pro Jahr ca.
Raum20240
Flyer und Co.
Domain, Website und E-Mail10120
Telefon & Prepaid-Karte20240
Bankkonto und Transaktionsgebühren10
Fachbücher und
andere fachbezogene Materialien
150
Büro-Rollcontainer80
Materialien für einen Workshop200
SUMME1040
Unsere Ausgaben im zweiten Jahr (vereinfacht)

Unseren ambitionierten Zielen, einen Workshop anzubieten, hat Covid-19 leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dennoch hatten wir die Ausgaben für die Materialien. Außerdem wollten wir engagierten Mitgliedern wie auch Neuankömmlingen die Möglichkeiten bieten, sich mit ihrer Erkrankung genauer auseinanderzusetzen und dieses Fachwissen in unsere Treffen mit einzubringen.

So kam es, dass wir einen höheren Betrag bewilligt bekommen haben, als wir tatsächlich in Anspruch nehmen konnten.

Der Vollständigkeit halber bleibt zu erwähnen, dass auch die im 1. Jahr genutzten Rabatte bei Telefon und Website aufgebraucht waren, sodass diese Ausgaben höher wurden.

Das 3. Kalenderjahr

Für das 3. Kalenderjahr (2021) haben wir nun erstmal Post von der AOK bekommen, die federführend für die GKV mit uns kommuniziert. Evtl. ergänzen wir dahingehend diesen Artikel noch, wenn es etwas Neues zu berichten gilt.

Bis dahin haben wir noch…

Tipps bei der Konto- und Ausgabenführung

Wir haben neben unserer regulären WhatsApp-Gruppe eine zweite Gruppe gegründet, in der sich Teilnehmer versammeln, die sich aktiv mit an der Gruppengestaltung beteiligen möchten. Die Person, der das Konto gehört, muss sich schließlich mit den geplanten Ausgaben auch rückversichern, dass dies im Sinne der Gruppe und bester Absicht geschieht.

Der Autor möchte an dieser Stelle dringend empfehlen: Man muss es mit Basisdemokratie und Basisbürokratie nicht übertreiben. Nicht jeder muss immer alles wissen, miteinbezogen werden oder zufrieden gestellt werden. Nicht jeder, der die Gruppe besucht, kann oder will das leisten, was einige Organisatoren leisten. Jeder Teilnehmer sollte aber die Möglichkeit haben, miteinbezogen zu werden.

Dort fotografieren wir Ausgaben / Kassenzettel / Rechnungen und stellen sie in die WhatsApp-Gruppe oder schicken sie uns per Mail zu. Generell achten wir darauf, dass möglichst alles über das Konto direkt und als Überweisung bezahlt wird (Online-Banking) – so ist es einfacher, den Überblick zu behalten. Und im Zweifel nachzuweisen, wofür von wem das Geld aufgewendet wurde. Einen separaten Ordner führen wir für die Originale, aber heutzutage gibt es die meisten Rechnungen sowieso nur noch digital, ebenso wie Kontoauszüge.

Auch ist es bei Selbsthilfegruppen nicht unüblich, dass Teilnehmer kommen und gehen. Da das Konto immer auf eine Privatperson laufen muss – eine Selbsthilfegruppe ist kein Unternehmen, keine GbR und kein Verein – empfiehlt es sich, Vollmachten an vertrauenswürdige Teilnehmer auszustellen und die Unterlagen und Passwörter für die gesamte Kommunikation im Zweifel griffbereit zu haben. Es könnte immer passieren, dass ein Verantwortlicher ausfällt, untertaucht oder verhindert ist – davon sollte etwas so Teures wie die Finanzierung dann nicht ins Wanken geraten.