Ablauf und Regeln in unserer Selbsthilfegruppe

Als Teilnehmer der Selbsthilfegruppe bist du zu nichts verpflichtet. Naja, fast nichts. Unser Selbstverständnis, das wir uns als Gruppe erarbeitet haben und letztlich dazu dient, dass sich jeder von uns ohne Angst öffnen kann, benötigt auch die ein oder andere Zusicherung von dir.

Anders als bei Gruppengesprächen in einer Klinik oder mit einem Therapeuten sind in einer Selbsthilfegruppe alle Teilnehmer gleichsam für das Gelingen unserer Treffen verantwortlich. Mit unseren Teilnehmern haben wir uns auf Regeln und Rollen verständigt, die wir für ein gutes Gelingen der Treffen als notwendig erachten.

Unsere gemeinsamen Regeln

Dafür haben wir die wichtigsten Regeln in unserer Gruppe, die wir gemeinsam vereinbart haben, immer parat:

  1. Alles bleibt vertraulich. Wir behalten das, was wir uns in Gesprächen anvertrauen, für uns.
  2. Störung haben Vorrang. Wer sich in einer problematischen Situation fühlt, bekommt den Raum, sie anzusprechen. Weitere Infos
  3. Wir lassen auch andere zur Wort kommen. Genauso wichtig, wie wir uns mitteilen möchten, nehmen wir die anderen, um sich mitteilen zu können.
  4. Wir hören einander zu. Genauso, wie wir uns wünschen, dass andere uns zuhören, schenken wir umgekehrt Aufmerksamkeit durch aktives Zuhören und fallen einander nicht ins Wort.

Außerdem gelten die Hausregeln und Werte des Sozialen Zentrum Käthe, wo wir unseren Treffpunkt haben. Auch wir bieten in unseren Gesprächen kein Platz für Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus oder Sexismus und erweisen uns gegenseitig so viel Toleranz und Respekt, wie wir ihn selbst von unseren Mitmenschen erwarten können.

Wir bitten um Pünktlichkeit und Verbindlichkeit – so gut es eben möglich ist. Wer zeitlich, wegen der Arbeit oder Anfahrt mit Verkehrsmitteln, nicht anders kann, wird natürlich nicht vor verschlossenen Türen stehen gelassen.

Viele Regeln haben wir also nicht und nach bereits 15 Treffen im Jahr 2019 fahren wir sehr gut damit, es aktuell dabei zu belassen.

Wer moderiert?

Wir haben keine feste Moderation. Wer ein paar Mal bei unseren Treffen war, darf sich darin ausprobieren, die Gruppe zu moderieren durch das Treffen zu führen. Der Moderator…

  • …eröffnet das Treffen und heißt die Teilnehmer willkommen.
  • …stellt Regeln vor und darf im Zweifel das Gespräch unterbrechen, um sie einzuhalten.
  • …beginnt die Blitzlicht-Runde, in der jeder Teilnehmer sich kurz vorstellt.
  • …erkundigt sich, ob jemand ein Thema mitbringt oder wir ein Thema aus dem Themenglas ziehen.
  • …behält den Überblick über das Gespräch und darf auch mal Teilnehmer „ins Gespräch ziehen“, um den Austausch untereinander zu verbessern.
  • …behält einen Blick auf die Uhr für die Abschlussrunde, die so genannte „Warme Dusche“.

Die Moderations-Rolle ist außerdem für jeden ein Angebot, sich darin zu üben, Verantwortung zu übernehmen. Niemand ist perfekt und wo, wenn nicht hier, sollte jeder dafür auch Verständnis haben, wenn etwas mal nicht rund läuft.

Und was hat bisher nicht funktioniert?

Ein paar Regeln und Aufgaben, die wir uns vorgenommen haben, haben sich in der Praxis nicht etablieren können. An diesen Erfahrungen möchten wir andere Gruppen teilhaben lassen:

  1. Redezeitbegrenzung auf 10-15 Minuten. Es ist zwar gut, dass wir prinzipiell nicht einer Erfahrung oder einem Thema den kompletten Zeitraum zur Verfügung stellen. Viel wichtiger als der Blick auf die Redezeit ist jedoch, ob Teilnehmer sich trauen, nach einer angemessenen Zeit die erzählende Person zu unterbrechen oder sich zu Wort melden.