Making Of: Das passiert hinter den Kulissen einer Selbsthilfegruppe

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Der Aufwand einer Selbsthilfegruppe ist nicht zu unterschätzen. Für eine funktionierende Selbsthilfegruppe kommen auf ein Gespräch pro Woche rund 2-3 Stunden organisatorischer Aufwand obendrauf. Ein Plädoyer dafür, dass Mitglieder der Selbsthilfegruppe sich in die Aufgaben miteinbringen.

Interne & Externe Kommunikation – Telefon und Postfach

Typischerweise geht es bei einer Selbsthilfegruppe um Kommunikation – und das auch über die eigentlichen Treffen hinaus.

In unserem Fall kommen bspw. noch hinzu:

  • Kommunikation mit der Presse
  • Das Weitergeben von Informationen aus Newslettern oder bspw. aktuell den Corona-Vorsichtsmaßnahmen
  • Moderation im Streit- oder Problemfall, falls ein Teilnehmer sich nicht an die Regeln gehalten hat.
  • Das Verteilen von Flyern oder kontaktieren von Beratungsstellen und Therapeuten um auf uns aufmerksam zu machen.

Dabei braucht es auch Zeit und Elan, sich einfach spontan zu verabreden, Entscheidungen abzustimmen und die Gruppe mitzunehmen.

Finanzen und Ausstattung

Wird die Selbsthilfegruppe gefördert, wie in unserem Fall, dann müssen sich am besten mehrere Personen dafür verantwortlich fühlen:

  • Jemand muss das Konto bei der Bank beantragen und Zugang dazu haben
  • Es muss Vollmachten geben, um im Unglücksfall oder bei Problemen anderen Teilnehmern den Zugang zum Konto zu ermöglichen
  • Entscheidungen über Anschaffung und Ausstattung müssen mit den Teilnehmern abgesprochen werden, um Alleingänge zu verhindern.
  • Alle Käufe müssen ausreichend protokolliert sein und im Bedarfsfall Kassenzettel und Rechnungen als Nachweis verfügbar gehalten werden.
  • Das Einrichten von Daueraufträgen für Raummiete oder Webhosting, Telefonguthaben und Co.

Behelfsweise haben wir dazu einen Ordner im Mailpostfach namens „Kasse“ angelegt, in dem wir alle Rechnungen und Belege sammeln können. Zusätzlich gehen vom Konto nur per Lastschrift oder Überweisungen Geld ab, sodass anhand der Kontoauszüge immer ersichtlich ist, wofür Geld ausgegeben wurde. Bargeld wird de facto nicht abgehoben.

Zum Ende des Kalenderjahres gibt’s daher auch einen Kassensturz und dabei ist uns dann bspw. Selbsthilfebüro behilflich – auch, was die Beantragung von Fördermitteln im nächsten Jahr angeht.

Freizeitaktivitäten und Veranstaltungen, Weiterentwicklung der Gruppe

Jedes Gruppenmitglied ist dazu eingeladen, Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, um die Selbsthilfegruppe weiterzuentwickeln, zu verändern, anzupassen oder auch mal zu stabilisieren. Für Aufgaben, die ad hoc anfallen, kann sich ein Gruppenmitglied melden und auch Projekte innerhalb der Gruppe übernehmen oder sich dafür verantwortlich zeigen, Leute ins Boot holen oder Aufgaben erledigen.

Es liegt also an den Gruppenteilnehmern selbst, dass etwas passiert und wir uns intern oder extern zusammenschließen, z.B. für

  • Einen gemeinsamen Filmeabend oder Kinobesuch
  • Einen gemeinsamen Kochabend
  • Einen gemeinsamen Spieleabend
  • Sportliche Aktivitäten
  • Besuch von Veranstaltungen als Gäste – oder als Aussteller
  • Das eigene Konzipieren einer Veranstaltung
  • Materialien für die Gruppe vorbereiten

Wichtig dabei ist, dass man das Gefühl hat, was man hier freiwillig tut, ist sinnstiftend, hilfreich und bereitet Freude.

Mit unserer Website haben wir zum Beispiel auch die Möglichkeit geschaffen, Erfahrungsberichte und Gastbeiträge zu veröffentlichen. Oder mithilfe von anderen Gruppenmitgliedern Angebote zu entwickeln, die erstmal erstellt und auch gepflegt werden wollen, wie z.B. unsere Liste an Anlaufstellen. Natürlich bedeutet das auch einen zusätzlichen Aufwand, diese Materialien aktuell zu halten und immer wieder anzupassen.